Meldung

07. Mai 2011
Beendigung des Parteiordnungsverfahrens gegen Dr. Thilo Sarrazin

Offener Brief des Vorsitzenden der Dortmunder SPD an Sigmar Gabriel

Franz-Josef Drabig
Lieber Genosse Sigmar Gabriel!
Mit großem Unverständnis und Befremden haben wir Dortmunder Genossinnen und
Genossen die Berichterstattung zum Fall des Herrn Sarrazin zur Kenntnis genommen.
Es ist ein Novum, dass der Dortmunder Unterbezirksvorsitzende in einem offenen Brief
an den Bundesvorsitzenden reagiert, ich halte das aber in diesem besonderen Fall für
angemessen.
Da hat ein profilierter und bundesweit bekannter Sozialdemokrat die Grundwerte
unserer Partei in den Dreck gezogen. Er hat wie kein Zweiter die SPD in ganz
Deutschland blamiert.
Er hat in einer unzulässigen Art und Weise all denen vor den Kopf geschlagen, die sich
bemühen, das Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen, Religionen und
Nationalitäten zu verbessern.
Seine teilweise rassistischen Ausraster haben dem Ansehen unserer Partei und all derer
geschadet, die unter Anerkennung aller damit verbundenen Probleme und Defizite auf
beiden Seiten bemüht sind, den Integrationsprozess auf einer sachlichen Basis aber
ohne Vorurteile zu befördern.
Herr Sarrazin hat das nun wiederholt gemacht und jede/r, der/die sich unseren
sozialdemokratischen Grundwerten verpflichtet fühlt, musste davon ausgehen, dass
ein solcher Provokateur nicht länger Mitglied unserer Partei sein würde.
SPD-Unterbezirk Dortmund
Brüderweg 56-57
8859: Dortmund
Postfach 56 9: :7
8869: Dortmund
Tel.: 6795 / := :>-6
Fax: 6795 / := :> 7=
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SPD-Unterbezirk Dortmund × Postfach 10 35 52 × 44035 Dortmund
SPD-Parteivorstand
Herrn Parteivorsitzenden
Sigmar Gabriel
Wilhelmstr. 585
56B>9 Berlin
Dortmund, 8.:.7655
Offener Brief
Nun hat dieser Mann eine völlig unzureichende Entschuldigung verbreitet und alles ist wieder
gut. Die Generalsekretärin spricht von der Meinungsvielfalt in der Partei. Ich sage dazu
Beliebigkeit.
Aber es ist nicht beliebig, ob eine Partei für eine Integrationspolitik steht, in der Herkunft, Glaube
oder die Angehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe keine Rolle spielen, oder ob sie Ausführungen
zu einer Rassentheorie in ihren eigenen Reihen duldet, die stark an die des Dritten Reichs
erinnern.
Für solch einen Menschen ist eine Mitgliedschaft in der Partei, der ich 9B Jahre angehöre, nicht
länger vereinbar!
Wir haben uns hier in Dortmund in den letzten Jahren intensiv um die Integration der besonders
stark vertretenen türkischstämmigen Menschen gekümmert. Viele, über 966, sind in den letzen
Jahren Mitglied im Unterbezirk Dortmund geworden. Wir stehen im engen Dialog mit ihnen. Ein
großer Teil unserer neuen Mitglieder bringt sich in die Diskussionen der Partei und in den
jeweiligen Arbeitsgemeinschaften je nach ihrer Interessenlage ein.
Unser Verhältnis ist geprägt von einem offenen Umgang miteinander. Probleme werden nicht
unter den Tisch gekehrt, sondern in einem offenen Dialog angesprochen. Deshalb ist es völlig
natürlich, dass diese Genossinnen und Genossen, aber auch deutschstämmige Mitglieder ihre
SPD-Führung nicht mehr verstehen. Einige haben sich von uns distanziert und ihre Mitgliedschaft
aufgekündigt.
In den letzen Tagen haben mich viele Genossinnen und Genossen dazu angesprochen. Ich kann
Ihre Wut gut nachvollziehen. Bei allen Migrantinnen und Migranten, besonders aber bei unseren
Mitgliedern will ich mich deshalb auch entschuldigen. Eine Partei mit den Grundwerten und der
Geschichte unserer SPD kann mit einer derart fatalen Fehlentscheidung nicht leben!
Unser langjähriger Landesvorsitzender Johannes Rau hat einmal gesagt: "Sagt das, was Ihr tut
und tut das, was Ihr sagt". Das empfehle ich dem Parteivorstand auch. Einem seiner Nachfolger,
Herrn Rüttgers haben wir mit Recht vorgehalten, dass er links blinkt und rechts überholt. So
ähnlich kann man die Vorgänge um das Parteiordnungsverfahren um Herrn Sarrazin auch
beschreiben.
Mit sozialistischem Gruß aus Dortmund
Franz-Josef Drabig

 

 

Nur wenige Genossinnen und Genossen an der Basis konnten die Entscheidung nachvollziehen, das Parteiordnungsverfahren gegen Thilo Sarrazin einvernehmlich zu beenden.

Aus diesem Anlass hat der Parteivorsitzende der Dortmunder SPD, Franz-Josef Drabig, einen Offenen Brief an Sigmar Gabriel verfasst, den wir im Nachfolgenden dokumentieren.

 

 

Lieber Genosse Sigmar Gabriel!

Mit großem Unverständnis und Befremden haben wir Dortmunder Genossinnen und Genossen die Berichterstattung zum Fall des Herrn Sarrazin zur Kenntnis genommen.

 

Es ist ein Novum, dass der Dortmunder Unterbezirksvorsitzende in einem offenen Briefan den Bundesvorsitzenden reagiert, ich halte das aber in diesem besonderen Fall für angemessen.

 

Da hat ein profilierter und bundesweit bekannter Sozialdemokrat die Grundwerte unserer Partei in den Dreck gezogen. Er hat wie kein Zweiter die SPD in ganz Deutschland blamiert.

Er hat in einer unzulässigen Art und Weise all denen vor den Kopf geschlagen, die sich bemühen, das Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen, Religionen und Nationalitäten zu verbessern. Seine teilweise rassistischen Ausraster haben dem Ansehen unserer Partei und all derer geschadet, die unter Anerkennung aller damit verbundenen Probleme und Defizite auf beiden Seiten bemüht sind, den Integrationsprozess auf einer sachlichen Basis aber ohne Vorurteile zu befördern.

 

Herr Sarrazin hat das nun wiederholt gemacht und jede/r, der/die sich unseren sozialdemokratischen Grundwerten verpflichtet fühlt, musste davon ausgehen, dass ein solcher Provokateur nicht länger Mitglied unserer Partei sein würde. Nun hat dieser Mann eine völlig unzureichende Entschuldigung verbreitet und alles ist wieder gut.

 

Die Generalsekretärin spricht von der Meinungsvielfalt in der Partei. Ich sage dazu Beliebigkeit.

 

Aber es ist nicht beliebig, ob eine Partei für eine Integrationspolitik steht, in der Herkunft, Glaube oder die Angehörigkeit zu eine ethnischen Gruppe keine Rolle spielen, oder ob sie Ausführungen zu einer Rassentheorie in ihren eigenen Reihen duldet, die stark an die des Dritten Reichs erinnern.

 

Für solch einen Menschen ist eine Mitgliedschaft in der Partei, der ich 39 Jahre angehöre, nicht länger vereinbar!

 

Wir haben uns hier in Dortmund in den letzten Jahren intensiv um die Integration der besonders stark vertretenen türkischstämmigen Menschen gekümmert. Viele, über 966, sind in den letzen Jahren Mitglied im Unterbezirk Dortmund geworden. Wir stehen im engen Dialog mit ihnen. Ein großer Teil unserer neuen Mitglieder bringt sich in die Diskussionen der Partei und in den jeweiligen Arbeitsgemeinschaften je nach ihrer Interessenlage ein.

 

Unser Verhältnis ist geprägt von einem offenen Umgang miteinander. Probleme werden nicht unter den Tisch gekehrt, sondern in einem offenen Dialog angesprochen. Deshalb ist es völlig natürlich, dass diese Genossinnen und Genossen, aber auch deutschstämmige Mitglieder ihre SPD-Führung nicht mehr verstehen. Einige haben sich von uns distanziert und ihre Mitgliedschaft aufgekündigt.

In den letzen Tagen haben mich viele Genossinnen und Genossen dazu angesprochen. Ich kann Ihre Wut gut nachvollziehen. Bei allen Migrantinnen und Migranten, besonders aber bei unseren Mitgliedern will ich mich deshalb auch entschuldigen. Eine Partei mit den Grundwerten und der Geschichte unserer SPD kann mit einer derart fatalen Fehlentscheidung nicht leben!

 

Unser langjähriger Landesvorsitzender Johannes Rau hat einmal gesagt: "Sagt das, was Ihr tut und tut das, was Ihr sagt". Das empfehle ich dem Parteivorstand auch. Einem seiner Nachfolger, Herrn Rüttgers haben wir mit Recht vorgehalten, dass er links blinkt und rechts überholt. So ähnlich kann man die Vorgänge um das Parteiordnungsverfahren um Herrn Sarrazin auch beschreiben.

Mit sozialistischem Gruß aus Dortmund

Franz-Josef Drabig

 


Dokumente:
Offener Brief von Franz-Josef Drabig an Sigmar Gabriel