Meldung

18. Oktober 2010
kurzum

Wir Jusos: Weder Marx-Lesezirkel noch Discoclique

von Alexander Wuttke


aus der Ausgabe 02 / 2010 des Jusomagazins "Drei !!!"


Im Vorfeld des diesjährigen Juso-Bundeskongresses beherrschte ein Antrag mit dem Titel „Jusos öffnen“ die jusointernen Debatten. Er analysierte die übergroße Akademikerdichte unseres Verbandes und forderte unter dem Schlagwort „weniger Marx-Lesezirkel“ eine Öffnung für breitere Bevölkerungsschichten. Auf dem Bundeskongress wurde der Antrag abgewatscht, die Debatte darüber bleibt aber nötig.


Viele derer, die diese Debatte anstießen, befinden sich in Fundamentalopposition zum Juso-Bundesverband. Sie nennen sich junge Sozialdemokraten und lehnen die sozialistische und feministische Tradition der Jusos ab. Sie sei nur historischer Ballast, die es abzuwerfen gelte um sich pragmatisch um die Probleme von heute kümmern zu können. Das ist jedoch zu kurz gesprungen. Denn ohne Ziel führt jeder Weg in die richtige Richtung und ohne übergreifende Vision, die über den Tag hinausreicht, ohne eine alles zusammenhaltende Idee, bleibt alle Politik Stückwerk. Wir sollten uns nicht abfinden mit einem System, das den Menschen nur nach seinem ökonomischen Wert bemisst.

    Kurzum: Die Jusos ohne den demokratischen Sozialismus sind wie Grüne ohne Basisdemokratie und Jungunionisten ohne Polo-Shirts.

 

Richtig bleibt aber selbstkritisch unsere Arbeitsweise zu hinterfragen. Dabei ist nicht ein angebliches Übermaß an Marx-Lesezirkeln zu beklagen, sondern ein selbstreferentielles System, in dem die Mitglieder zwischen Pflichtterminen in langweiligen Gremien aufgefressen werden, in denen schon alles gesagt ist, nur noch nicht von jedem. Ein Verband, in dem neue Mitglieder auf der ersten Sitzung nur mit Abkürzungsverzeichnis den Debatten folgen können, ist  nicht sonderlich einladend.

    Kurzum: Große Theoriedebatten JA – Ochsentour für Neumitglieder NEIN

 

Ein wichtiges Anliegen der Antragsteller war die „stärkere Aktionsorientierung“ in der politischen Arbeit, das von Gegnern mit dem Argument entgegnet wurde, die Jusos dürften nicht zum Partyverein verkommen. Tiefschürfende inhaltliche Diskussion und Spaß schließen sich aber nicht aus. Im Gegenteil: Ein attraktiver politischer Jugendverband braucht beides. In einem Jugendverband muss man sich wohlfühlen, manchmal sollte er sogar ein Stück Heimat bieten. Er sollte Erlebnisse ermöglichen und ausgefallene, spannende Dinge ausprobieren – dabei aber das politische Anliegen im Kopf behalten.

    Kurzum: Jungsozialist zu sein ist ein politisches Bekenntnis, das Spaß machen kann.

 

- Dieser Kommentar spiegelt die persönliche Meinung des Autors und damit nicht zwangsläufig die Position der Jusos Dortmund wieder -


Dokumente:
Juso Zeitung 2 / 2010