Meldung

05. September 2011
Erfolgreiche Sitzblockade von Dortmund nazifrei!

Gewaltfreier, entschlossener und kreativer Protest wirkt!

Sitzblockade von Dortmund nazifrei!
Wir ziehen eine positive Bilanz unserer Aktivitäten am 03. September. Besonders erfreut sind wir über unsere erfolgreiche Blockade an der Pauluskirche. Über 100 Dortmunderinnen und Dortmunder haben über viele Stunden bei enormer Hitze ausgeharrt und damit die Schützenstraße nazifrei halten können.
Auch wir konnten den Aufmarsch der Nazis am Samstag nicht verhindern und damit nicht alle unsere Ziele erreichen. Angesichts der im Vorfeld von Einigen geäußerten Skepsis über die Durchführbarkeit von Sitzblockaden, sind wir jedoch erfreut, die Erwartungen Vieler übertroffen zu haben.

Wir haben die erste erfolgreiche Blockade Dortmunds durchgeführt und diese über sechs Stunden halten können. Damit haben wir eine Änderung der Nazi-Route erzwungen. Der Aufmarsch musste von der für das Quartier bedeutenden Schützenstraße auf eine kleine Nebenstraße verlegt werden. Während im gesamten Umkreis das öffentliche Leben weitestgehend stillstand feierten wir gemeinsam mit den Anwohnern und Anwohnerinnen der Schützenstrasse ein buntes Fest.

Wir empfinden dies als großen Erfolg.

Wir bedanken uns daher sehr herzlich bei den vielen Anwohnerinnen und Anwohnern, die sich uns spontan anschlossen und bei den örtlichen Gastronomen, die sich mit uns solidarisch zeigten und uns verpflegten. Auch der Pfarrer der Paulusgemeinde erklärte uns seine Unterstützung. Wir spürten die Bevölkerung an unserer Seite.

Unser Konzept gewaltfrei, kreativ und entschlossen vorzugehen hat gewirkt!
Wir sind überzeugt, dass es nicht funktionieren kann einen gesamten Stadtteil einzupferchen, wenn die Zivilgesellschaft zusammenhält. Die ausgelassene Stimmung auf unserer Sitzblockade ist Beispiel einer lebendigen, demokratischen und wehrhaften Bürgerschaft. Als verantwortungsvolle Bürgerinnen und Bürger reinigten wir nach der wirkungsvollen Blockade unseren Sammlungspunkt von Müll, hinterließen einen ordentlichen Platz und freuten uns angesichts dieses Erfolges.
Im Prinzip der friedlichen Blockaden sehen wir eine Strategie für die Zukunft.

Vor Ort erlebten wir einen souveränen Umgang der Polizei mit unserer Blockade, der von kontinuierlichen Verhandlungen und offener Kommunikation geprägt war. Dies ist zu begrüßen und entspricht unseren Erwartungen an die Polizei eines demokratischen Rechtsstaates.
Umso mehr bedauern wir, dass es bei der ebenso friedlichen Blockade unweit der Unsrigen, zu einem unverhältnismäßigem Einsatz und der Anwendung unnötiger Gewalt durch die Polizei gekommen ist.

Die Verantwortung für die spürbar aufgeheizte Stimmung in Dortmund – wie vom Polizeipräsidenten am Demotag suggeriert - auch unserem Aufruf zu friedfertigen Blockaden anzulasten, geht angesichts der von uns praktizierten bunten und lebendigen Form zivilen Ungehorsams an der Realität vorbei.

Um 12 Uhr startete an der Katharinentreppe die Großdemonstration der Dortmunder Bürgerinnen und Bürger in die Nordstadt. Die gemeinsame Mobilisierung des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus und Dortmund nazifrei! hat zu einer riesigen Demo geführt, deren Ausmaße die früheren Jahre bei weitem übertrafen. Auf der Kundgebung von Dortmund nazifrei! um 09 Uhr hatten bereits einige hundert Menschen teilgenommen.
Damit haben die Demokratinnen und Demokraten das klare Zeichen gesetzt: Dortmund bleibt unsere Stadt.

Die Ereignisse auf dem Wilhelmsplatz beim Friedensfest der Stadt Dortmund lösen bei uns Unverständnis und Empörung aus. Während der Nazi-Aufmarsch von 5000 bundesweit angeforderten Polizistinnen und Polizisten beschützt wurde, waren für den Schutz dieses zivilgesellschaftlichen Festes lediglich 10-15 Polizistinnen und Polizisten abgestellt. Etwa 40-50 Nazis konnten daher von der Polizei ungehindert und den Wilhelmsplatz drängen, sodass die Bürgerinnen und Bürger ihnen schutzlos ausgeliefert waren.

Dieses Versagen mit einer „kleinen Kommunikationspanne“ zu erklären, halten wir der Situation nicht für angemessen, da sie auch zu massiven Übergriffen und Körperverletzungen auf die anwesenden Bürgerinnen hätte führen können. Hier stand der Eindruck, als schütze die Polizei die Nazis, nicht aber die Demokraten.